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Übersicht Information Entwicklung medizinische Diagnose und therapeutische Unterstützung für ADHS-betroffene Jugendliche und Erwachsene

Betreffend dem Verständinis und der Entwicklung der Hilfe- und Unterstützungsangebote für ADHS-Betroffene Kinder, Jugendliche und Erwachsene, hat die Schweiz einen turbulenten Prozess hinter sich, der bis heute für emotionale und leider auch gehässige Diskussionen sorgt. Dass es Menschen gibt, die im Alltag einen kombinierten Leidensdruck zeigen, ist bereits seit dem Mittelalter bekannt. Darunter werden Personen verstanden, die durch eine innere/äussere Unruhe, Sprunghaftigkeit im Denken, Handeln, Entscheiden, Verhalten und Sprechen, Vergesslichkeit und Hang zu einer "chaotischen" Lebensführung und Lebensgestaltung,  impulsiv-emotionalen Umgangsformen mit Personen in ihrem Umfeld sowie hoher Sensibilität gegenüber materiellen und emotionalen Reizen in ihrem Umfeld, auffallen. Weil der Leidens-druck der für Betroffene dadurch entsteht von Aussen nicht sichtbar ist und sich die Auffälligkeiten im Verhalten Betroffener so unterschiedlich zeigen, machten nicht-Betroffene immer wieder unterschiedliche Ursachen dafür verantwortlich. Speziell bei ADHS ist, dass die mittelalterlichen Erklärungsansätze für die Gründe der Auffälligkeiten im Verhalten Betroffener, bis heute andauern.

Mehr Akzeptanz für Nachweise organischer Erkrankungen, als für Krankheiten ohne organischen Hintergrund

Während die medizinischen Erkenntnisse im Bereich der organischen Erkrankungen seit dem Mittelalter laufend ausgebaut und verbessert wurden und in der Regel wenig umstritten sind, verbessern sich die medizinischen Erkenntnisse im Bereich der psychischen Erkrankungen, bzw. der von aussen nicht sicht- oder wahrnehmbaren Leidenprozessen Betroffener Personen, zwar auch laufend. Obwohl die Forschung vielfach den Leidensdruck Betroffener belegt hat, halten sich Falschmeldungen und Halbwissen in diesem Bereich, aber hartnäckig. In diesem Bereich ist es häufig nicht möglich, "messbare", "sicht-bare" oder sonst wahrnehmbare Nachweise für den Leidensdruck Betroffener zu liefern. Dennoch besteht der Leidensdruck Betroffener. Diskussionen nicht-Betroffener über die Existenz oder nicht-Existenz eines nicht messbaren Leidensdrucks, bzw. das ständige Anzeifeln entsprechender Forschungsergebnisse schadet Betroffenen. Nicht-Betroffene können ihr Bedürfniss nach einfachen Erklärungsansätzen dadurch zwar rasch befriedigen und das Thema zur Seite legen. Für Betroffene geht der Leidensdruck im Alltag aber weiter oder er verstärkt sich sogar. Dieser Umstand wird von nicht-Betroffenen gerne ignoriert.

2 Strömungen in der Schweiz: Medizinische Erklärungsansätze und nicht-medizinische Erklärungsansätze für Krankheiten

In der Schweiz haben sich verschiedene "Strömungen" entwickelt, um Erklärungsansätze für Personen mit einem organischen und Personen mit einem nicht-organischen Leidensdruck entwickelt. Die einen akzeptieren den Leidensdruck Betroffener Personen in jedem Fall nur, wenn dieser bis ins Detail "messbar" nachgewiesen werden kann. Die Anderen ignorieren medizinische Kenntnisse komplett und akzeptieren nur Erklärungsansätze, die mit Erkenntnissen aus dem Bereich der Alternativ-Medizin, erklärt werden können. Gerade im Bereich der psychischen Ekrankungen, bzw. von Personen mit einem nicht-messbaren Leidensdruck, sind die Fronten dieser beiden Gruppen oft sehr gegensätzlich. Man ist beide Seiten sind sogar oft bemüht, sich ganz bewusst von der anderen Gruppe abzugrenzen und ihre eigenen, Erklärungsansätze zu betonen, statt nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Betroffene mit einem nicht-organischen Leidensdruck werden wegen daher oft zwischen diesen beiden Exteremposititionen oft aufgerieben und haben damit oft grosse Mühe, sich mit ihrem Leidensdruck einer Fachperson anzuvertrauen und die passenden Hilfe- und Unterstützungsmassnahmen zu finden.

Aufnahme von ADHS in den ICD und DSM der WHO. Schweiz mit "Sonderlösung" POS

Die Gründe für die verhärteten Fronten bei ADHS in der Schweiz sind nicht restlos geklärt. Obwohl 1970 die WHO, als anerkennte Organisation der UNO, in ihren ebenfalls international anerkannten Klassifikationsidizes der Krankenheiten, ICD und DSM, ADHS neben vielen anderen Erkrankungen aufgenommen hat und sich die Medizin weltweit an diesen Kriterien orientiert, hat die Schweiz zunächst ihren eigenen Definitionsansatz für ADHS gewählt. Statt ADHS verwendete man die Diagnose POS (Psychorganisches Syndrom). Dabei handelt es sich um eine Mischform von Störungen die dem Autismusspektrum, den Lernstörungen und anderen Wahrnehmungsstörungen zugeschrieben wurden. Im Unterschied zum ADHS wurde das POS weder in den ICD oder noch in den DSM aufgenommen. Die Diagnose POS wurde aber nur bei Kindern gestellt. Generell hielt sich lange und hartnäckig die Meinung, dass sich diese Probleme im Verlauf vom Entwicklungsprozess einer Betroffenen Person, "auswachsen" und im Erwachsenen-alter nicht mehr in Erscheinung treten. Die Diagnose POS wurde noch bis ins Jahr 2000 gestellt. Dadurch gibt es in der Schweiz noch heute viele Personen, die als Kind eine POS Diagnose erhalten, haben und bis heute darunter leiden, weil die Diagnose POS zwar gestellt aber nie entsprechende Hilfe- und Unterstützungsmassnahmen für Betroffene eingeführt wurden. Auch betreffend der Hilfe- und Unterstützungs-massnahmen existiert bis heute ein Konflikt zwischen Anhängern medizinischer und Anhängern Alternativmedizinischer Ansätze. Insbesondere im Bereich der Medikation eskalieren Konflikte regelmässig.

Seit 2000 ADHS Diagnose für Kinder und Jugendliche, seit 2010 ADHS Diagnose auch für Erwachsene in der Schweiz

Erst seit rund dem Jahr 2000 werden Kinder und Jugendliche nicht mehr nach den Kritierien von POS, sondern den ADHS-Kriterien abgeklärt und diagnostiziert. Seit rund dem Jahr 2010 werden auch Erwachsene auf ADHS abgeklärt und entsprechende Diagnosen erstellt. Laufend wurden und werden auch Hilfe- und Unterstützungsangebote für Erwachsene entwickelt und verbessert. Obwohl man sich auf internationaler Ebene schon länger einig und im Klaren ist, dass ADHS auch im Erwachsenenalter bestehen kann, wollte man sich damit in der Schweiz lange nicht abfinden. Darum ist die Schweiz mit der Einführung der ADHS-Abklärung und Hilfe- und Unterstützungsmassnahmen für Betroffene Erwachsene relativ spät tätig geworden, im Vergleich zu anderen Nationen. Heute werden die diesbezüglichen Strukturen im medizinischen Bereich kaum noch hinterfragt. Obwohl sich auch die Forschung im Bereich ADHS sowohl im Kindes- als auch im Erwachsenenalter laufend verbessert, halten sich die Vorurteile gegenüber dieser "Krankheit", nachhaltig. Viele ADHS-Betroffene erklären zudem mit dem Begriff "Krankheit" nicht einverstanden zu sein. Viele Betroffene nehmen zwar einen Leidensdruck wahr, fühlen sich durch ihn aber nicht so stark beeinträchtigt, wie, wenn sie krank wären. Aber auch dieser Umstand ist teilweise Gegenstand heftiger Diskussionen.

Keine einheitliche Lobby für einheitliche und glaubwürdige Vetretung von Interessen aller ADHS-Betroffener in der Schweiz

Bis heute fehlt ADHS-Betroffenen in der Schweiz eine Lobby, die sich mit einheitlichen und glaubwürdigen Positionen für die Interessen Betroffener Kinder, Jugendlicher und Erwachsener einsetzt. ELPOS ist zwar die älteste und bekannteste Organisation. Sie ist aber ursprünglich eine Vereinigung von Eltern ADHS/POS Betroffener Kinder und Jugendlicher. Unter diesen "Vorzeichen" setzt sich ELPOS auch für die Interessen und Anliegen ADHS-Betroffener Kinder und Jugendlicher ein. Alle weiteren Organisationen in der Schweiz vertreten ebenfalls wieder ihre eigene Zielgruppe von Betroffenen und/doer Fachpersonen. Für ADHS-Betroffene, aber auch für Angehörige und für mit ADHS nicht oder wenig vertraute Fachpersonen, kann es daher sehr schwierig werden, das passende Hilfe- und Unterstützungsangebot für Betroffene Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu finden. Diese Ausgangslage verunmöglicht zudem die Erarbeitung und Umsetzung einheitlicher und schweizweiter Kriterien, betreffend der Qualität von (medizinischen/nicht-medizinischen) Hilfe- und Unterstützungsangeboten sowie den Anforderungen und Qualifikationen mit diesen Angeboten beauftragten Fachpersonen. Dadurch wird insbesondere Betroffenen Jugendlichen und Erwachsenen und deren Angehöriger die Suche nach seriösen und qualitätsorientierten Angeboten, erschwert.